Mittwoch, 31. August 2005

Ich bin in Calcutta!

Hallo Ihr Lieben!
Ich bin in Calcutta! Es war eine lange Fahrt – und was mich hier erwartet hat, war der Wahnsinn: soooo viele Menschen, soooooo heiss, sooo hohe Luftfeuchtigkeit, sooooo viel Verkehr und Schmutz, und wahnsinnig viel Armut. Ich habe das alles erwartet – aber wenn man dann mutterseelenallein mit Sack und Pack am Bahnhof inmittem dem Getuemmel steht, ist es noch mal was anderes. Sobald die Menschen in der Menge ein weisses Gesicht entdecken, das sie scheinbar automatisch mit Reichtum assoziieren, haengen sie sich an dich dran – Kinder in Lumpen, die dich um Essen anbetteln, abgerissene Bettler, Taxifahrer laufen hinter dir her, Koffertraeger – jeder will was von dir. Mittlerweile weiss ich schon wie ich damit umzugehen habe, aber es ist wahnsinnig stressig. Zum Glueck habe ich wieder ein indisches Ehepaar in meinem Zugabteil kennengelernt, das ich bis zum Taxistand ausserhalb des Bahnhofs begleiten konnte, so bin ich dann relativ schnell in der Strasse gelandet bin, in die ich wollte (Sudderstreet, auf der sich die meisten Traveller aufhalten). Dann gings ans Zimmer suchen – mit Sack und Pack in der aergsten Hitze, bedraengt von tausend Leuten. Zimmer gabs genug, aber kein guenstiges mit Air Condition, was fuer mich absolute Bedingung war, sonst halte ich das hier nicht aus - die Luftfeuchtigkeit ist auch so hoch hier. Hab dann schlussendlich eines gefunden und mir einen guten Preis ausgehandelt – und hier bin ich nun! Hab bereits nette Leute kennengelernt – und nach einem ersten Erholungstag hab ich heute bereits mit einer Franzoesin die Stadt erkundet – bzw. eigentlich koennte man es eher so nennen, dass wir uns durch tausend Busse, Autos, Rickshaws, Haendler und Bettler geschleppt haben, vorbei an zwei Sehenswuerdigkeiten bis zu einem kleinen Park am Fluss, wo wir uns erst mal erholt haben. Mal sehen wie lange wir in Calcutta bleiben – Nelly kommt morgen an!!! Sie ist in dem Moment bereits in der Luft. Ich freue mich schon so, sie am Flughafen abzuholen! Wir werden uns hier einiges ansehen und dann checken, wie es weitergeht. Ich moechte nicht soooo lange hierbleiben, es ist einfach wahnsinnig stressig – und ich bin ja im Urlaub! Aber es ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert, diese Seite von Indien kennenzulernen! Die Kontraste und unterschiedlichen Lebensweisen in diesem Land sind unglaublich – ich habe das in keinem Land zuvor erlebt. Am Samstag noch sitze ich mit einer reichen Familie der Oberschicht in einem Privatclub in Chandigarh, bei koestlichem Essen in einem wunderschoenen Garten mit Springbrunnen – und jetzt bin ich hier, es ist bereits dunkel, viele Menschen breiten mitten auf der Strasse ihre zerrissene Decke aus und legen sich mit ihren Kindern mitten in den Dreck zum Schlafen. Und noch vor einigen Tagen war ich in den kuehlen Huegeln des Himalaya in McLeod Ganj, inmitten der tibetischen Kultur, umgeben von Moenchen.
Die vielen Seiten dieses riesigen Landes sind unglaublich.

Die Zeit in McLeod Ganj ist wahnsinnig schnell vergangen. Ich habe zum Schluss noch einen Innsbrucker kennengelernt! Wir werden uns dann in Oesterreich gemeinsam mit Guenther wieder treffen und Erfahrungen austauschen. Es war nett wieder mal im Dialekt zu reden! Ausserdem habe ich einen jungen Tibeter kennengelernt, der sowas wie eine Familie in Oesterreich hat! Eine Innsbruckerin, die er seine Schwester nennt – sie hat ein Jahr hier gelebt und ihn sehr unterstuetzt, auch spaeter noch – und er hat mir Geschenke fuer sie und ihre Familie mitgegeben!!! Ich werde sie dann in Innsbruck besuchen.
Ich bin am Samstag in der Frueh von McLeod weggefahren, zuerst mit dem Jeep runter in Lower Dharamsala, und von dort 8 (!!!) Stunden bei grosser Hitze zurueck nach Chandigarh zu der Familie, die mich abgeholt hat. Ich hab dann wieder eine Nacht und einen Tag bei Ihnen verbracht – es war sehr nett, sie haben mir wieder einiges von Chandigarh gezeigt, und am Samstag abend war ich eben mit ihnen und ihren Freunden in diesem Privatclub zum Essen – bin mir ganz unpassend vorgekommen, da ich ja kein Gewand fuer solche Anlaesse auf dieser Reise mithabe, aber das Essen war sooo koestlich. Am Sonntag Abend haben sie mich dann zum Zug gebracht und noch mit Proviant versorgt – sie haben mich eingeladen sie jederzeit wieder zu besuchen, und vielleicht kommen sie mal nach Oesterreich zu uns, wenn sie ihren Sohn in Oslo besuchen.
Um 1.15 nachts gings dann los – 31 Stunden bis nach Calcutta! Die Zugfahrt war aber ganz OK, hatte Air Condition, einen Schlafwagen (also einen absoluten Luxuszug in Indien - um umgerechnet 40 Euro) – die Zugfahrt ist schnell vergangen, konnte viel schlafen und brauchte ohnehin mal wieder so ein bisschen Leerlauf, um alle Eindruecke zu verarbeiten – es ist alles so viel hier!
Vielleicht interessieren euch mal ein paar Preise: also in Mcleod hab ich fuer ein Zimmer mit Bad und WC umgerechnet 4 Euro bezahlt pro Nacht (die Waehrung sind hier Rupie, 1 Euro sind ca. 50 Rupie), jetzt bezahle ich fuer das Zimmer mit Air Condition und Bad und WC 12 Euro, was seeehr viel fuer hier ist, aber ich teil es ja dann mit Nelly, und es geht hier nicht anders bei der Hitze - und Essen kann man hier wahnsinnig billig ueberall – eine Hauptmahlzeit kostet von 50 Cent bis 1 Euro!
Also, hier kann man sich schon eine Weile aufhalten!

Also dann, ich meld mich dann bald wieder! Ich hoffe, euch gehts auch allen gut –
Viele liebe Gruesse an euch alle!
VERONIKA

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